Medizinische Daten zur freien Entnahme?

Der Schutz von Patientendaten in MVZ kommt steigender Bedeutung zu
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Medizinische Daten zur freien Entnahme?

Author
Philipp Krey
Lesezeit
7 min
Publiziert
February 2026

Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie wichtig und wertvoll medizinische Informationen über einen selbst wirklich sind. Oft herrscht eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, was mit den eigenen Daten passieren könnte, solange die Behandlung reibungslos abläuft. Was viele dabei unterschätzen: Der Zugang zu persönlichen medizinischen Akten ermöglicht Verbrechen, die weit über den digitalen Raum hinausgehen. Das beginnt bei scheinbar harmlosen Informationen wie E-Mail-Adressen, führt aber schnell zu Missbrauchsszenarien wie der Manipulation von Patientenrezepten für den illegalen Medikamentenzugang oder zum vollständigen Identitätsdiebstahl durch den Raub von Sozialversicherungsnummern. Daher ist es existenziell, dass wir nicht nur ein allgemein sicheres Gesundheitssystem haben, sondern dass individuelle Praxen und MVZ eine Sicherheit garantieren, die einer modernen, adäquaten Datenverarbeitung entspricht.

Der Preis der Gesundheit auf dem Schwarzmarkt

Das Gesundheitswesen führt weltweit die Liste der teuersten Datenpannen an. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt die Brisanz:

  • Risiko Nummer eins: Cybervorfälle werden weltweit als das größte Geschäftsrisiko eingestuft und liegen mittlerweile vor Themen wie Inflation oder Energiekrise [Allianz].
  • Wachsende Gefahr für den Mittelstand: Ransomware-Angriffe betreffen längst nicht mehr nur große Kliniken. Angreifer verlagern ihren Fokus immer mehr auf mittelgroße Organisationen und ambulante Strukturen wie MVZ, da hier die Sicherheitslage oft weniger transparent erfasst ist [Thieme].
  • Finanzieller Genickbruch: Laut aktuellen Reports bleiben Datenpannen im Gesundheitswesen die kostspieligsten überhaupt, da die Wiederherstellung komplexer Patientensysteme enorme Ressourcen verschlingt [IBM].

Besonders kritisch ist der Schutz der Sozialversicherungsnummern und Rezepte. Diese müssen strikt gesichert sein, da sie nicht nur den Zugang zu Medikamenten ermöglichen, sondern bei Manipulation direkt die Behandlungssicherheit gefährden können. Die technologische Infrastruktur ist heute oft noch nicht auf dem Stand, den die Professionalisierung der Angreifer erfordern würde.

Warum MVZ heute im Fadenkreuz stehen

Ein MVZ ist aufgrund seiner Struktur ein sehr attraktives Ziel. Oft sind diese Zentren historisch gewachsen: Verschiedene Fachrichtungen und Standorte nutzen unterschiedliche Praxisverwaltungssysteme (PVS) und Schnittstellen. Dieser „technologische Flickenteppich“ macht es schwer, Sicherheits-Updates (Patch-Management) einheitlich durchzuführen und erhöht die Angriffsfläche massiv.

Ein weiteres reales Risiko ist die fehlerhafte Einbindung der Telematikinfrastruktur (TI). Oft werden kritische TI-Komponenten im unsicheren Parallelbetrieb zu konventionellen Routern betrieben, wodurch die Schutzwirkung der Hardware komplett verloren geht [Heise].

Worauf MVZ jetzt besonders achten müssen

Um nicht zur Zielscheibe zu werden, sollten Betreiber folgende Punkte beachten:

  • Zentrale IT-Struktur statt Insellösungen: Sicherheit braucht Einheitlichkeit. Meist lassen sich nur durch zentrale Updates und einheitliche Standards die dagewesenen Einfallstore schließen [KBV].
  • Netztrennung: Medizinische Geräte sollten niemals im selben Netzwerk wie das Gäste-WLAN hängen.
  • Incident Response: Es muss klare „Playbooks“ geben. Was passiert bei Ransomware-Verdacht? Wer entscheidet? Wie läuft der Notbetrieb auf Papier weiter?
  • Mitarbeitersensibilisierung: Da rund 60 % der Angriffe durch den „Faktor Mensch“ (z. B. Phishing) begünstigt werden, sind regelmäßige Schulungen für das Praxispersonal unerlässlich [Sec-consult].
Gesetzliche Pflicht: NIS-2 und die KBV-Richtlinie

IT-Sicherheit ist keine freiwillige Wahl mehr. Die NIS-2-Richtlinie nimmt nun auch größere MVZ (ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Jahresumsatz) verstärkt in die Pflicht. Wer diese Grenzwerte erreicht, muss strenge Risikomanagement-Maßnahmen und Meldepflichten beim BSI einhalten. Ergänzend schreibt die KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie verbindliche Maßnahmen für alle Praxen vor, vom Virenschutz bis zur Verschlüsselung [KBV] .

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Photo by Pavel Danilyuk and Anna Shvets